Thüringens bedeutender Märchendichter und Sagenforscher Ludwig Bechstein formulierte diese treffenden  Worte: „Dieser Berg ist der hauptsächliche Träger des Mythentums im Thüringer Land“. In seinem Werk „Sagenkreis der Hörselberge“ (1892) hat er zwölf Hörselberg-Sagen bis in unsere Zeit überliefert.

Seit Jahrhunderten zog dieser geheimnisvolle Berg, der um die Jahrhundertwende noch als „weißer Sarg in der Landschaft“ kahl und unheimlich lag, die Menschen magisch an. Im frühen Mittelalter bezeichnete man ihn als „Hör-Seelen-berg“, denn im Hörselberg laufen alle Fäden des alten germanischen Geister- und Götterglaubens zusammen, dessen Sinn und Gestalten durch die Christianisierung geändert und umgedeutet wurden. Ein reicher Sagenkranz um Frau Holle (Hulda, Holla oder später Venus), dem Ritter Tannhäuser, dem Götterkönig Wotan, dem Wilden Heer und dem Getreuen Eckhart umwebt den Zauber unseres Heimatberges. Letztendlich machte Richard Wagner mit seiner Oper „Tannhäuser“ den sagenhaften „Venusberg“ weltbekannt. Die Uraufführung fand 1845 in Dresden statt. 

Den Grundstein für die Arbeit Ludwig Bechsteins legten die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Im ersten Band ihrer „Deutschen Sagen“ (1816) legten sie vier den Hörselberg betreffende Sagen in gedruckter Form vor, womit sie deutschlandweit bekannt wurden. Es waren: „Frau Holla zieht umher“, „Der Tannhäuser“, „Der Hörselberg“ und „Der getreue Eckhart“. Auch Volkslieder und Märchen wurden von den Brüder Grimm zusammengetragen und für die Nachwelt aufgezeichnet.

„Es war einmal eine Witwe, die hatte zwei Töchter...
Eines der bekanntesten Grimm Märchen ist „Frau Holle“, deren Handlung aus dem Sagenschatz um diese „geheimnisvolle weiße Frau“ hervorgegangen ist. Goldmarie und Pechmarie werden für ihr Tun beim Apfelpflücken, dem Herausziehen der fertig gebackenen Brote aus dem Backofen und schließlich beim Bettenschütteln bei Frau Holle gebührend belohnt bzw. bestraft. In kindgerechter Weise wird mit einfach verständlichen Worten Lob und Tadel beschrieben und später mit Bildern illustriert. Fast jedes Kind kennt das Märchen der „Frau Holle“ und kann dieses in naher Zukunft am Hörselberg entlang des Märchenpfades vom Frau-Holle-Haus in Hastrungsfeld (OT der Gemeinde Hörselberg) beim Aufstieg zum Großen Hörselberg nachempfinden. Die örtlichen Gegebenheiten bieten gute Voraussetzungen die Stationen des Märchens in der Natur darzustellen und so in spielerischer Form für Kinder und junge Schüler bekannt zu machen. Besonders Kindergärten und Grundschulen sollten dieses Angebot für eine heimatverbundene Erziehung der heranwachsenden Jugend nutzen. Eltern und Großeltern werden an ihre Kindheit erinnert und erleben mit Freude und Spaß, wie ein winziger Baustein des gesellschaftlichen Lebens an die nächste Generation weitergegeben wird.